Deutsche ergänzte Übersetzung des Artikels des digitalen Pioniers, Autoren sowie Präsidenten der 1MillionBot-Gruppe und Gründer des Torre Juana IA HUB in Alicante, der Stadt des Lichtes am spanischen Mittelmeer.
Prof. Dr. Andres Pedreno ist neben den deutschen Professoren Dirk Baecker, Stefan Brunnhuber, Thomas Schildhauer und Markus Mitautor und Unterstützer von FUTUR III: Das Buch des Wandels für den Westen Amazon.de
Artikel auf Spanisch: https://www.linkedin.com/pulse/por-qué-las-grandes-empresas-están-aplicando-la-ia-en-pedreño-muñoz-o0sbf/
Management Summary
In den letzten zwei Jahren hatte ich die Gelegenheit, an über fünfzig Foren mit Vertretern großer Unternehmen teilzunehmen – hauptsächlich in Spanien, vereinzelt auch im Ausland.
Hier meine komprimierte Einschätzung zum Thema (im Telegrammstil):
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Das europäische Umfeld ist kontraproduktiv – regulatorisch erstickend, innovationsfeindlich.
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Strategisches Chaos: KI-Initiativen werden improvisiert, ohne langfristige Vision.
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Blindes Vertrauen in Tech-Giganten: Langfristige Verträge für Standard-KI-Tools in einem Markt, der sich wöchentlich disruptiv wandelt.
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KI-Einführung ohne Qualifizierung: Keine nachhaltige Technologiekultur, keine hybriden Teams.
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Der CTO bleibt ein Technikverwalter – statt ein digitaler Stratege mit Business-Impact.
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Fehlende Datenhoheit: Keine unternehmensspezifischen KI-Vorteile ohne maßgeschneiderte Datenstrategie.
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ROI-Dilemma: Investitionen folgen Modetrends, nicht messbaren Geschäftszielen.
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Regulatorische Naivität: EU-AI Act, nationale Compliance-Risiken werden ignoriert – bis zur Krise.
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Externalisierte Expertise: Berater verkaufen Standardlösungen, die sie selbst nicht nutzen.
Ausführungen zu den Punkten
- Das europäische Umfeld ist kontraproduktiv
Europa betreibt KI-Politik mit der Brechstange: Eine regulatorische Fixierung auf Risiken anstatt auch Chancen durch sozialen Wandel erstickt unternehmerische Visionen. Während die USA Ökosysteme für skalierbare KI-Innovationen schaffen (Big Tech, Unicorns, agile Startups), verharren europäische Unternehmen in defensiver Compliance-Haltung.
Kurz: Bewahrungspolitik nimmt Anschluss an die Zukunft.
Diese Mentalität setzt sich fort: Bereits bei der Digitalisierung zeigte Europa systemische Trägheit – mit messbaren Folgen. Die Produktivitätslücke zu den USA wächst; KI könnte sie zum unüberbrückbaren Abgrund machen.
- Strategisches Chaos
Spanische und europäische Konzerne agieren oft:
Reaktiv („Wir brauchen auch KI!“), nicht strategisch Vorausdenkend, ohne eine FUTUR III Lern- und Gestaltungsfunktion.
Führungslos: Keine internen KI-Experten in Vorständen definieren die Kompetenzlücke.
Beraterabhängig: Wissen bleibt bei externen Consultancies. Organisationsentwicklung und Change Management als Projekt, jedoch nicht als lebendige Funktion.
Innovationsfeindlich: Bewahrungs-Compliance ignoriert die Amvivalenz des Lebens, unterdrückt strukturell bereits die Experimentierfreude (fehlender OE!-Prozess über operationale Exzellenz hinaus).
Dazu kommen Ängste vor Jobverlusten und völlige Verwirrung über KI-Typologien, Einsatzfelder und Wettbewerbsdynamiken.
- Blindes Vertrauen in Tech-Giganten
Statt eigener Strategien: „White-Label“-Deals mit Microsoft (Copilot), Google oder IBM. Diese Standardlösungen bringen Null Wettbewerbsvorteil – sie sind das ERP-/CRM-Spiel von gestern, neu aufgelegt.
Ironie: Zwei Konzerne nutzen dieselbe OpenAI-API → gleiche Tools → gleiche Ergebnisse → kein differenzierter Mehrwert für den Kunden = einer wird überflüssig.
- KI ohne Kulturwandel, also starres Bewusstsein
KI-Projekte scheitern regelmäßig an:
Symbolischer Fortbildung: Eintägige „AI-Awareness“-Seminare statt tiefgreifender Kompetenzentwicklung.
Silo-Denken: Technikteams und Business-Einheiten kommunizieren nicht.
Fehlender Mut & fehlende Motivation: Keine Experimentierräume, keine Fehlertoleranz.
Resultat: Teure Pilotprojekte, die nie skaliert werden.
Kurz: die Chancen der digitalen Verbindung scheitern an Denk-Strukturen und Organisationsgrenzen aus der Papierzeit
- Der verkannte CTO
In Europa ist der CTO oft nur ein „Chief Infrastructure Officer“ – verantwortlich für Server, nicht für digitale Wertschöpfung mit Businessverantwortung.
Kommunikation wird nicht als System verstanden, sondern als Kostenfaktor. Ein fataler strategischer Fehler in fast allen Organisationen.
Dabei braucht es:
Hybride Führung: Technologie + Business-Strategie.
Vorstandsmandat: KI als Chefsache, nicht IT-Thema.
Forderung: CTOs als Treiber von datengetriebenen Geschäftsmodellen.
Wie das durch eine agile, vernetzte Struktur mit integrierendem Prozess in die Führung der Organisationsentwicklung für Konzerne und Institutionen kompensierend und nicht alternativ zerstörend als Ganzes strategisch funktioniert, wurde im FUTUR III Artikel von Prof. Dr. Göbel in der Zeitschrift für Organisation, Heft 5, 2023 mit Case beschrieben.
Wir sollten World Wards in der Digitalisation aus Deutschland auch auf EU Ebene konsequent nutzen, anstatt im besten Fall US Konzepten hinterher zu laufen.
- Datenstrategie? Fehlanzeige!
KI lebt von Daten – doch europäische Firmen:
Kuratieren nicht: Historische Daten liegen ungenutzt in Silos, obwohl Digitalisierung seinen Mehrwert („Übersinn“) durch die Verbindung (=Entgrenzung) zieht. Der Mehrwert verbundener Daten wird nicht selten Opfer veralteter Zuständigkeiten (Macht)
Innovieren nicht: Keine nutzerspezifischen Modelle, nur Standard-APIs.
Verstehen nicht: Daten sind strategische Assets, nicht IT-Overhead.
Paradox: Tesla trainiert mit eigenen Fahrerdaten – europäische Autohersteller kaufen Generic-Lösungen.
- ROI: Suche ohne Kompass
KI-Investitionen folgen oft:
Buzzword-Bingo („Generative AI ist hip!“).
Peer Pressure („Der Wettbewerb macht es auch!“).
Statt klarer Priorisierung: Welche Prozesse bringen 10x Effizienz? Wo entsteht neuer Kundennutzen?
Empfehlungen
Im Buch des Wandels beschrieben wir den bewährten Organisationsentwicklungsprozess (s. ZfO Artikel), der durch eine Chancen und Risiko Radar systemisch und strategisch in die Zukunft durch Adaptionstechniken schaut und nicht nur auf technologische Entwicklungen.
Der Nutzen und Umgang mit diesem Prozess muss in Governance Seminaren entgegen der Bewahrungspolitik aktiv von der EU und Nationen vermittelt werden.
Kurz: Herausragende Entwicklungen in der EU müssen strategisch auch koordiniert und gefördert werden.
- Regulatorisches Roulette
Der EU-AI Act wird ignoriert – bis zur ersten 35-Millionen-Euro-Strafe. Kritische Blindstellen:
Transparenzpflichten: Erklärbare Algorithmen? Fehlanzeige.
Regional-Fallen: Spanische Autonome Gemeinschaften (z.B. Katalonien) entwickeln eigene KI-Regeln.
Daten-GAPs: DSGVO vs. Trainingsdaten – ein juristisches Minenfeld.
Anmerkung: Der juristische Apparat muss in eine Zukunftsgestaltung aktiv eingeschlossen werden, so wie es Japan mit einer Agentur Society 5.0 2021gegenüber westlichen Soziologen vortrug. FUTUR III berichtete.
- Externalisierte Illusionen
Consulting-Riesen verkaufen „KI-Transformationen“ – doch:
Keine Eigenanwendung: Ihre internen Prozesse laufen ohne KI.
One-Size-Fits-None: Standard-Blaupausen ignorieren Unternehmens-DNA.
Wahrheit: Echte KI-Adoption braucht internes Ownership – nicht PowerPoint-Beratung.
Systeme verändern sich nicht sinnvoll durch technische Spielerei, sondern nur durch eine systemische Lern- und Gestaltungsfunktion, welche strategische, taktische und operative Wissens- und Erkenntnisse koordiniert, motiviert und mit den passenden Ressourcen fördert (vgl. Case im ZfO Artikel).
Fazit und Warnung
Europa droht der KI-Kolonialismus, besonders durch US und China.
Ohne radikale Kurskorrektur in der EU wird KI zum:
Kostenfaktor, nicht Werttreiber.
Externalisierte Blackbox, nicht Kernkompetenz.
Digitale „EU-Folklore“, wenn Asien/USA längst durch aggressive Business Strategien konsequent ausgerichtet bis in die Politik und zurück skalieren.
Die Lösung?
Mut zu eigenen Wegen – nicht Copy-Paste von Silicon Valley.
Wiederentdeckung und Besinnung auf die europäischen Stärken des aufgeklärten und freien Geistes der Demokratie.
Daten als Kapital – nicht als Compliance-Last.
Kulturwandel – von der Compliance- zur Experimentier-Mentalität durch die Kompetenz der demokratischen Bewusstheit wieder fördern.
Die Ära der defensiven Digitalisierung ist vorbei. KI verzeiht kein halbherziges Management – sie belohnt Entschlossenheit, besonders in Einheit statt der organisatorischen Silos aus der Vergangenheit.
Anmerkung: Dieser Text kombiniert deutsche Präzision mit polemischer Schärfe – wie in hochwertigen Wirtschaftsmedien.
Er ist alles notwendiger Weckruf für Entscheider gedacht, die über die Bedrohungslage durch die allgemeine digitale und besonders AI Ignoranz deutlicher aufgeklärt werden müssen.
Bei Bedarf kann der Ton für ihre Veröffentlichungen oder Konferenzen politisch korrekt angepasst werden.
Unser Dank geht an das Observatorio de Inteligencia Artificial und Grupo 1MillionBot für die Unterstützung bei diesem Artikel